Psychologie als Wahlfach in der Oberstufe

Psychologie als Wahlfach in der Oberstufe

Für wen ist das Fach Psychologie eigentlich geeignet?

Eigentlich für alle, besonders aber für alle, die sich für Menschen (also auch für sich selber), ihr Erleben und Verhalten interessieren und ein Wahlfach suchen, das auch in vielen Alltagsituationen hilfreich sein kann.

Psychologie am GGS – äußere Rahmenbedingungen
  • zweistündiges Wahlfach in der Oberstufe
  • Dauer: ein Jahr (2 Halbjahre)
  • in Kursstufe J1
  • 1 Klausur pro Halbjahr
  • Abrechnung im gesellschaftswissenschaftlichen Aufgabenfeld
  • nicht möglich als Abiturfach
Was ist Psychologie überhaupt?

Die Psychologie ist eine relativ junge Wissenschaft, die aus der Biologie und Philosophie heraus entstanden ist. Ihre Anfänge reichen in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts zurück. Die Fragen, mit denen sich die Psychologie beschäftigt, sind so alt wie die Menschheitsgeschichte, ist doch der Mensch sowohl Gegenstand der Forschung als auch Forscher und damit zugleich Subjekt und Objekt dieser Wissenschaft.

Damit wird deutlich: Die Psychologie als Wissenschaft vom Erleben und Verhaltendes Menschen ist eine Wissenschaft, die uns angeht wie kaum eine andere. Auch im Alltag versuchen wir Erleben und Verhalten zu beschreiben und zu erklären. Dabei greifen wir auf die sogenannte Alltagspsychologie zurück, subjektive Erklärungsmuster, die dem gesunden Menschenverstand oder aber auch Vorurteilen entstammen („Alle Männer sind…., alle Frauen sind….“). Es kann vorkommen, dass alltagspsychologische und wissenschaftliche Aussagen übereinstimmen. Für die wissenschaftliche Psychologie jedoch, um die es im Psychologieunterricht geht, gelten bestimmte Kriterien.

Wissenschaftliche Aussagen müssen:

  • allgemein gültig sein, d.h. sie müssen mit hoher Wahrscheinlichkeit (> 70%) auf die in der Aussage angegebenen Personen bzw. – gruppen zutreffen.
  • nach wissenschaftlichen Methoden gewonnen sein und systematisiert werden (z.B. durch Experimente, Tests, Befragungen einer repräsentativen Anzahl von Menschen).
  • überprüfbar sein, d.h. die Aussagen und die Art und Weise, wie sie gewonnen wurden, müssen nachvollziehbar und wiederholbar sein.
  • objektiv sein, d.h. verschiedene Forscher müssen beim gleichen Sachverhalt unter gleichen Bedingungen das gleiche Ergebnis erzielen.

Aufgabe der wissenschaftlichen Psychologie ist, menschliches Verhalten und Erleben angemessen zu beschreiben, zu erklären, vorherzusagen und ggf. zu verändern. In diesem Zusammenhang werden auch Aussagen der Alltagspsychologie auf ihren Wahrheitsgehalt untersucht.

Um welche Themen geht es im Psychologieunterricht?

Im aktuellen Bildungsplan von Baden-Württemberg sind vier unterschiedliche Themenbereiche vorgesehen. Zu jedem dieser Themenbereiche gehören typische Fragestellungen, von denen ein paar im Folgenden exemplarisch aufgelistet sind.

Modul 1: Psychologie als Wissenschaft

„Wie arbeite ich als Hobby-Psychologe?“

  • Mit welchen Methoden arbeitet die wissenschaftliche Psychologie?
  • Was unterscheidet eigentlich Grundlagenforschung von angewandter Psychologie (z.B. Werbepsychologie)?
  • In welchen Arbeitsbereichen sind Psychologen und Psychologinnen tätig?
  • Was sind die Unterschiede in der Ausbildung und in der Tätigkeit von einem Psychologen, einem Psychiater und einem Psychotherapeuten?
  • Welche psychischen Störungen sind besonders häufig, wie werden sie diagnostiziert und behandelt?
  • Welche verschiedene Hauptströmungen (z.B. Tiefenpsychologie) gibt es in der Psychologie?
Modul 2: Entwicklung der Persönlichkeit

„Das Leben ist eine Baustelle“

  • Welche Bedeutung haben frühkindliche Bindungserfahrungen für die sich entwickelnde Persönlichkeit?
  • Wie wirken bei der Entwicklung der Persönlichkeit Vererbung, Umwelt und aktive Mitgestaltung der Person zusammen?
  • In welchen Lebensphasen sind bestimmte Entwicklungen typisch? Was bedeutet es, wenn diese Entwicklungen nicht gemacht werden? Muss sich z.B. ein Jugendlicher immer mit Protest von den Eltern lösen, wenn er erwachsen werden will – oder gibt es andere Wege?
  • Was ist Identität?
  • Wie verhält man sich in Krisensituationen und welche Möglichkeiten hat man, seine „Widerstandsfähigkeit“ (Resilienz) zu erhöhen?
  • Was versteht man in der Psychologie überhaupt unter dem Begriff „Persönlichkeit“? Welche verschiedenen Persönlichkeitstheorien gibt es?
  • Wie sind Persönlichkeitstests aufgebaut und wo kommen sie zum Einsatz?
Modul 3: Kognition und Emotion

„Ich sehe und fühle was, was du auch (oder nicht?) siehst und fühlst“

  • Wie ist unsere menschliche Wahrnehmung aufgebaut? Wodurch werden wir bei unserer Wahrnehmung beeinflusst?
  • Inwiefern beeinflussen sich Gefühle, Motivationen und die Wahrnehmung wechselseitig?
  • Wie kann man lernen, mit seinen Emotionen umzugehen?
  • Wie entsteht Stress? Welche Strategien zum Stressabbau gibt es?
  • Was macht Menschen glücklich? Welche Erkenntnisse der „Positiven Psychologie“ können zu mehr Lebenszufriedenheit beitragen?
  • Was haben Spiegelneuronen mit Empathiefähigkeit zu tun?
  • Wie funktioniert unser Gedächtnis?
  • Welche Strategien gibt es, effektiver zu lernen?
Modul 4: Der Mensch im sozialen Umfeld

„Niemand ist eine Insel und man kann nicht nicht kommunizieren“

  • Welche Grundsätze gibt es, die das Verhalten eines Menschen bei der Anwesenheit von anderen steuern? Warum fällt es z.B. vielen Menschen schwer, eine Meinung zu vertreten, die der Mehrheitsmeinung der Gruppe (Peer-Group) nicht entspricht?
  • Was kann man tun, um Zivilcourage und Hilfsbereitschaft zu stärken?
  • Welche Ziele, Rollen und Normen gelten in Gruppen wie z.B. in einer Schulklasse? Was kann man tun, wenn man den Eindruck hat, die Rolle, die man einnimmt, passt nicht (mehr)?
  • Was sind die wesentlichen Merkmale menschlicher Kommunikation und wie kann man ungünstige Kommunikationsabläufe (z.B. mit Eltern, Lehrern, Gleichaltrigen) verändern?
Was ist typisch für den Psychologieunterricht?

Im Psychologieunterricht wird hinter der Erfahrung einzelner Menschen nach allgemeinen Phänomenen und Gesetzen gesucht. Daher haben persönliche Erfahrungen im Unterricht zwar ihren Platz, es geht jedoch nicht um individuelle Seelenschau oder Therapie.
Auch erwartet jeden, der den Psychologieunterricht besucht, eine Auseinandersetzung mit einer Vielfalt von Erklärungsmodellen und von Methoden. Im Psychologieunterricht wird darüber hinaus sehr viel Wert darauf gelegt, dass alle den Unterricht mitgestalten. Wer Interesse an dieser Form des Unterrichts hat, ist in Psychologie genau richtig!

Wo finde ich Interressantes im Internet zum Fach Psychologie?

Folgende Seiten, die auch im Unterricht zum Einsatz kommen, sind wichtig:

Downloadsammlung zum Fach Psychologie