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Goldberg-Gymnasium - Schulleben
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Andrea Hümer und Felix Lehmann gehen für ein Jahr in die USA

Andrea Hümer : "Das ist die Chance für mich"

Ob ich meine Geige mitnehme, weiß ich noch nicht." Andrea Hümer lässt den Blick durch ihr Zimmer in Maichingen schweifen. Der bleibt an einem Haufen Kuscheltiere hängen, die fein säuberlich in einer Nische im Regal sitzen. "Die lasse ich alle hier", sagt die 15-Jährige bestimmt. Schließlich kann sie nicht unbegrenzt Gepäck mitschleppen, wenn sie im Sommer nach Amerika fliegt. Für ein Jahr. So lange währt das Stipendium des Parlamentarischen Patenschafts-Programms.

Ein bisschen Bammel hat sie schon. Vor allem davor, wie es "danach" mit ihrem Freundeskreis hier in Deutschland aussieht. "Aber das ist die Chance", gehen zu können, sieht die Goldberg-Gymnasiastin die zwölf Monate im viel zitierten Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Amerika reizt sie. "Du steigst aus dem Flugzeug und bist in einer anderen Welt", stellt sie sich vor. Sie war noch nie in den USA. "Ok, anfangs habe ich mit Südamerika geliebäugelt", sagt sie, schiebt sich eine Strähne des dunkelblonden, glatten, halblangen Haares hinters rechte Ohr. Aber nach Paraguay wollte sie dann doch nicht. "Das ist mir zu sehr Entwicklungsland", gibt sie offen zu.

Ihre neue Englischlehrerin brachte die damalige Neuntklässlerin auf die Idee, sich für ein Stipendium zu bewerben. Vergangenen August schickte sie ihre Unterlagen - unter anderem ein ärztliches Attest und die letzten drei Versetzungszeugnisse - weg. Ende Oktober kam ein Brief, sie war zu einem Auswahlgespräch nach Stuttgart eingeladen. Zusammen mit acht anderen Bewerbern stellte sich die Maichingerin am 2. Dezember, "das Datum weiß ich noch ganz genau", den Fragen von drei Bewertern. Amerikanische Geschichte und Politik waren ebenso Thema wie die politischen Verhältnisse hier zu Lande. "Wir haben über das Leben dort gesprochen, das Schulsystem", erinnert sich Andrea Hümer. Zwei Stunden lang. "Zu neunt haben wir das ganz gut hinbekommen", kann sie sich ein Schmunzeln nicht verkneifen.

Sie war wohl ein bisschen besser als andere. Am 19. Januar flatterte wieder Post in den Hanfäckerweg. "Hier", zeigt die Gymnasiastin auf ein Blatt Papier in einem Leitz-Ordner, "ich habe alles aufgehoben." Fein säuberlich, nach Datum geordnet. "Wenn ich etwas gelernt habe", meint die 15-Jährige, "dann warten." Warten auf den Bescheid für das Auswahlgespräch. Warten auf dessen Ergebnis. "Meine beste Freundin hat vor mir Post bekommen", erzählt sie. Die hat es nicht geschafft. "Sie ist meine Ersatzkandidatin." Jetzt wartet die Zehntklässlerin auf die Vorbereitungswoche im Mai in Würzburg, wo sie die anderen PPP-Stipendiaten kennen lernen wird.

Eine Frage ist beantwortet. Die, wohin sie kommt. Gilbert, Arizona wird ab August ihr befristeter Wohnsitz sein. Dort wird sie bei einem Ehepaar leben. "Sie ist eine 31-jährige Schwarze, er ein zwei Jahre jüngerer Weißer." Keine Kinder. Ein bisschen schade, hatte Andrea doch ursprünglich gehofft, in eine Familie mit kleinen Kindern zu kommen. Doch egal, so ist es nun. "Die beiden scheinen sehr aufgeschlossen zu sein", interpretiert die 15-Jährige die bisherigen E-Mails, die sie mit ihren künftigen Gasteltern ausgetauscht hat. "Zurzeit haben sie eine Thailänderin zu Gast, und sie würden auch eine weitere Austauschschülerin nehmen, wenn das erlaubt wäre."

Auch über ihre Schule auf Zeit weiß sie nun mehr. Die Highland Highschool ist eine von fünf in Gilbert. Zweieinhalb- bis dreitausend Schüler der Stufen neun bis zwölf. Was für ein Unterschied. "Mein Goldberg-Gymnasium hat höchstens 700." Sie ist gespannt, vor allem auf ihre Gasteltern. "Wenn es gar nicht klappt, kann ich ja was unternehmen", meint sie. Laut Statistik wechselt ein Drittel aller Austauschschüler in den ersten Wochen die Familie auf Zeit.

Doch Andrea ist zuversichtlich. "Ich hätte ja schon gar nicht gedacht, dass ich überhaupt genommen werde, bei meinen Noten." Ihr Schnitt liegt bei 2,3, in Englisch hat sie eine drei. "So wirklich viel Zeit zum Lernen habe ich nicht", gibt die 15-Jährige Einblick in einen prallen Terminkalender. Zweimal die Woche gibt sie Nachhilfe, seit zweieinhalb Jahren schon. Ebenso oft trainiert sie eine Schwimmgruppe. Früher ist sie selbst geschwommen, auch Wettkämpfe, für den GSV Maichingen. Einige Pokale in ihrem Zimmer zeugen davon. Der letzte waren Württembergische Meisterschaften. "2004 muss das gewesen sein, ich wurde Vierte oder Fünfte", kann sie sich nicht genau erinnern. Training zu geben macht ihr zwischenzeitlich mehr Spaß. "Zu meinem 16. Geburtstag kriege ich den Trainerschein", freut sie sich auf den 8. Juni. Vorher geht's nach Würzburg, zur Vorbereitung auf das große Abenteuer. Von dem ihre Eltern zuerst gar nicht begeistert waren. "Ich musste sie ein Jahr lang überreden", erzählt sie mit hochgezogenen Augenbrauen. Ihre Familie hat sich in einem Gespräch mit Clemens Binninger auch bereit erklärt, im Gegenzug für die Dauer von Andreas Abwesenheit ein Gastkind aufzunehmen. Der Böblinger Bundestagsabgeordnete betreut die Maichingerin als Stipendiatin. Für sie zieht die Finnin Maija in das Zimmer unterm Dach des Hauses der Familie Hümer. "Maija ist ein knappes Jahr älter als ich und kann schon prima Deutsch", mehr weiß Andrea nicht von ihrem Gegenpart.

Sie ist happy, dass sie nach Arizona kommt. Der Staat war neben Kalifornien ein Wunschkandidat. Immerhin haben ihre Eltern in Los Angeles geheiratet. Zwei mal 23 Kilo Gepäck, so ihr aktueller Wissensstand, darf sie mitnehmen. Nicht wirklich viel für ein Jahr. Die Kuscheltiere bleiben zuhause, auch die weiße Rennmaus Pixi, die sich mit der braunen Mimi einen Käfig teilt. Mimi gehört Andreas 17-jähriger Schwester Svenja. Die Geige ist noch unsicher. Seit ihrem achten Lebensjahr spielt die 15-Jährige das Instrument, ein Lebenstraum, wie sie sagt. "Aber in letzter Zeit habe ich wirklich wenig geübt", gibt sie zu. Was sie auf alle Fälle mit einpacken wird, ist ihr Füller. "Samt Ersatzpatronen." Schließlich sollen die Lieben zuhause nicht nur elektronische Lebenszeichen erhalten.
Ulrike Link
Böblinger Kreiszeitung, 21.4.2006

Felix Lehmann: "Probleme? Die sind doch der Reiz"

Die Plätze sind rar und begehrt. Nur fünf USA-Stipendien werden dieses Jahr vom Forum Region Stuttgart und dem Deutsch-Amerikanischen Zentrum/James-F.-Byrnes-Institut vergeben. Eines davon bekommt der 16-jährige Goldberg-Gymnasiast Felix Lehmann aus Weil im Schönbuch.

Die SZ/BZ sprach mit dem Schüler über seine Pläne in den USA. Das DaimlerChrysler-Byrnes-Stipendium beinhaltet nicht nur ein Jahr an einer amerikanischen Highschool. Felix Lehmann soll auch noch als Botschafter der Region Interesse für den Standort Stuttgart wecken.

Was erwarten Sie sich von dem USA-Jahr?

Felix Lehmann: "Eine Menge neuer Eindrücke und Erfahrungen. Es wird spannend, eine völlig neue Welt kennen zu lernen. Ob Familie, Freunde, Schule, Hobbys - alles wird neu und interessant sein."

Wissen Sie schon, wo es im August hingehen soll?

Felix Lehmann: "Nein, noch nicht. Aber da sich das Stipendium auf Connecticut, die Gegend rund um Detroit und Nord-Virginia bezieht, ist es sehr wahrscheinlich, dass ich auch in eine dieser drei Gegenden kommen werde."

Wann erfahren Sie das?

Felix Lehmann: "Im Juni, wenn mir meine Gastfamilie Bescheid gibt. Mein Abflugfenster ist zwischen dem 8. und 11. August. Zurück komme ich Ende Juni, Anfang Juli 2007."

Müssen Sie das Schuljahres hier beenden?

Felix Lehmann: "Muss ich nicht, es ist aber empfehlenswert."

Auf was freuen Sie sich speziell?

Felix Lehmann: "Auf das Jahr als Ganzes. Das Stipendium ist eine Riesen-Chance für mich. Man sollte sich das ganze nicht zu sehr ausmalen, weil man dann hinterher vielleicht enttäuscht ist. Der Zweck dieses Jahres ist es doch gerade, sich anderen Kulturen gegenüber zu öffnen und neues kennen zu lernen."

Haben Sie schon konkrete Pläne?

Felix Lehmann: "Ich nehme seit Jahren schon klassischen Trompetenunterricht. Reizen würde mich die Jazz-Trompete. Vielleicht ergibt sich die Gelegenheit, Jazz-Trompete zu erlernen. Ansonsten gibt es an vielen Schulen das Fach Theater, das könnte ich mir auch gut vorstellen. Am Goldberg-Gymnasium bin ich auch in der Theater-AG. Und wenn sich die Möglichkeit ergeben sollte regelmäßig zu schwimmen, würde ich das gerne weitermachen und ausbauen."

Haben Sie auch Bedenken?

Felix Lehmann: "So wie ich das in der Vorbereitung mitbekommen habe ist die Gastfamilie das Wichtigste. Wenn die in Ordnung ist, flutscht im Prinzip alles. Wenn nicht, wird es schon schwieriger. Es werden natürlich noch andere Probleme auftauchen, aber das ist ja gerade der Reiz daran."

Wie kommt der Kontakt zwischen Ihnen und Ihrer Gastfamilie zustande und wer entscheidet darüber, wer Ihre Familie wird?

Felix Lehmann: "Das entscheidet die Organisation AFS in Amerika. Hier in Deutschland habe ich meine Bewerbung ausgefüllt, dann gab es noch ein Gespräch mit einer deutschen Mitarbeiterin von AFS. Die hat dann die Daten nach Amerika weitergeleitet. Und die suchen dann in den USA eine entsprechende Familie, die zu mir passt."

Was mussten Sie tun, um das Stipendium zu bekommen?

Felix Lehmann: "Ich habe eine Kurz-Bewerbung mit Kopie vom Zeugnis, Bewertung des Klassenlehrers und Lebenslauf abgegeben. Danach gab es für alle Bewerber aus der Region Stuttgart einen Auswahl-Tag in Esslingen. Dort gab es dann Spiele, die beobachtet wurde. Da ging es unter anderem um Gruppendynamik, Kommunikationsfähigkeit und Spontanität. Danach wurden wir eingeteilt in ,nicht angenommen', ,Warteliste', ,angenommen', und ,angenommen mit Empfehlung fürs Stipendium'. Zu der letzten Kategorie gehörte ich glücklicherweise dazu. Und zum Schluss fand noch ein Einzelgespräch mit je einem Vertreter der Träger statt, in dem persönliche aber auch politische Fragen gestellt wurden"

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, sich für das USA-Stipendium zu bewerben?

Felix Lehmann: "Ursprünglich wollte ich mich gar nicht bewerben, da ich hier so viele Sachen am laufen habe, das wollte ich eigentlich nicht aufgeben. Dann gabs aber bei uns an der Schule einen Informationsabend zu Auslandsaufenthalten, bei dem Ehemalige berichtet haben. Das hat mir dann doch so gut gefallen, dass ich mir sofort danach gedacht habe: ,Das musst Du auch machen'. Die Anregung, mich zu bewerben kam dann von einer ehemaligen Englischlehrerin."

Laut Ausschreibung sollen Sie in den USA Interesse für die Region Stuttgart wecken. Wie wollen Sie das tun?

Felix Lehmann: "Wie genau, weiß ich auch noch nicht. Wir fünf Stipendiaten werden uns noch mehrmals mit Vertretern des Byrnes-Institutes und des Deutsch-Amerikanischen Zentrums treffen. Da wird uns dann mitgeteilt, wie wir das anstellen sollen. Wir werden aber wohl die eine oder andere Rede halten müssen. Aber das ist für mich nicht ganz neu."

Sie spielen Trompete, Geige und Klavier, sind zudem Mitglied im DLRG und im Tennis-Verein. Inwiefern, glauben Sie, haben Ihnen ihre Neigungen dabei geholfen, das Stipendium zu bekommen?

Felix Lehmann: "Sehr viel. Bei dem Stipendium kommt es vor allem darauf an, wie man auf Menschen zugeht und mit Ihnen kommuniziert. Das sind Dinge, die man sehr wenig in der Schule lernt, sondern eher im Verein. In den USA werde ich mich bemühen, in einer Big-Band mitzuspielen. Gerade am Anfang um Verbindungen knüpfen."

Was denken Sie, werden Sie in Deutschland am ehesten vermissen?

Felix Lehmann: "Die Familie. Aber schlimmer wird es wahrscheinlich für meine Eltern. Ich habe zwei ältere Geschwister, die schon aus dem Haus sind. Und jetzt verlässt sie auch noch der Jüngste. Aber ich werde sie auch vermissen."

Philipp Heimeier
Sindelfinger/Böblinger Zeitung, 9.5.2006
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