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Ausgerechnet auf dem kahlen Goldberg?

Schulgeschichte, Teil 2
von Michael Kuckenburg, Geschichtslehrer am Goldberg-Gymnasium

Im April 1896 schlug der Sindelfinger Schulrektor Dr. Julius Hartranft die Vereinigung der Böblinger und Sindelfinger höheren Schulen vor; aber das ehrgeizige Projekt - die neu gegründete Schule sollte zum Abitur führen! - verlief im Sande, vor allem wegen der uralten Rivalität beider Städte: Böblingen wollte die Schule bei der heutigen Bereitschaftspolizei errichten, die Sindelfinger wollten sie in der Nähe ihrer Stadt haben. Nach dem Ersten Weltkrieg begann eine neue Verhandlungsrunde, aber auch die stand bald vor dem Scheitern.

Da nahm, des provinziellen Hin und Her endgültig Leid, Landrat Rüdiger im Februar 1922 die Angelegenheit in die eigene Hand: Wenn beide Städte sich nicht einig werden, dann baut eben der Bezirk (heute Landkreis) diese Schule selbst! Karl Rüdiger hatte sich auch bereits einen Ort ausgesucht: Auf dem Goldberg, genau in der Mitte zwischen beiden Städten, sollte sie stehen. Zwar befielen den Landrat bald Zweifel, ob man Schulkinder den Weg zu der "allen rauen Winden ausgesetzten kahlen Hochfläche" wirklich zumuten könne. Aber der Goldberg war - entscheidendes Argument - der einzige Ort, bei dem sich keine der beiden Städte von der anderen übervorteilt fühlen konnte…

Die erste in Württemberg

Die Verhandlungen kamen, gemessen am jahrzehntelangen fruchtlosen Streit, erstaunlich flott voran: Im Juli 1929 wurde das Wahrzeichen des neuen Schulgebäudes angebracht ("an der glatten Stirnseite befindet sich eine große Uhrtafel, die weithin sichtbar ist"), am Samstag, 14. September, erfolgte die Einweihung.

Natürlich wurde nichts aus dem Beschluss, sich auf eine schlichte Einweihungsfeier zu beschränken: Schließlich galt es die erste höhere Bezirksschule in ganz Württemberg zu eröffnen, und entsprechend lang war die Anzahl der Redner. Sindelfingens Bürgermeister Wilhelm Hörmann sah die Neugründung als "ersten Schritt zur Vereinigung beider Städte", Böblingens Rektor Dr. Hermann Kißling rief die Schüler auf, "allzeit frisch, fröhlich, gehorsam und arbeitsfreudig" zu sein, und Amtsdekan Kappus hoffte, dass "die Zeiten des Rationalismus vorüber" gehen mögen. Einzig das Wetter kam dem Wunsch, auf Pompösen zu verzichten, nach: Es regnete fürchterlich.

Alter Geist in neuen Räumen

Bereits während der Einweihungsfeier hatte sich Bezirksbaumeister Baumann vorsichtig von seinem Werk distanziert ("verzichtet hat es auf ein schmuckes äußeres Gewand"), und in den folgenden Jahren blieb die Ästhetik des Bau-Körpers Gegenstand zahlreicher Klagen. "Außen pfui und innen hui" wäre als Motto der neuen Schule angebracht gewesen. Statt Bänken standen bewegliche Tische in den Zimmern, ein erster Schritt zu Arbeitsunterricht. Und die Einrichtung von Fachräumen (anstelle von Klassenzimmern) in Physik, Biologie, Chemie, Mathematik, Deutsch, alten und neuen Sprachen, "wie sie an keiner württembergischen Schule zu finden sind, fand die Bewunderung vieler Fachleute, die inzwischen die Schule besichtigten", berichtete im Mai 1930 Schulleiter Dr. Kißling.

War in die neue Schule auch ein neuer Geist eingezogen? Noch immer war es fast unvorstellbar, dass Jungen und Mädchen neben einander sitzen könnten; noch immer galt es als Vergünstigung der besonderen Art, mit dem Vornamen angeredet zu werden; und wie früher war es undenkbar, unaufgefordert zu reden oder gar zu widersprechen. Der Geist von Weimar - der Geist von Schiller und Goethe - ist kaum einmal bis in die Klassenzimmer der Weimarer Republik vorgedrungen, dafür haben schon die überwiegend konservativen bis deutschnationalen Lehre gesorgt. Lehrer wie Robert Kieser, der 1931 auf den Goldberg kam, blieben leider eine Ausnahme.


Ausführliche Schulgeschichte Teil 3





Die vollständige Geschichte des Goldberg-Gymnasiums und seiner Vorläuferschulen ist als Buch in der Buchhandlung Röhm erhältlich (Preis 5 €)