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Am 10. März 1395 verlieh Claus Vöginger, Chorherr im Sindelfinger Stift, eine Hofstatt an Cunz den Mayer, genannt Dillimutz. Bei dieser Gelegenheit wird ganz beiläufig „die schul" erwähnt: Sie grenzt an die verliehene Hofstatt an. Aus der beiläufigen Erwähnung kann man schließen, dass sie schon lange bestanden haben muss.
Die gesamte Schule war in einem einzigen Raum untergebracht, der im
Winter kalt, dunkel und verqualmt war. Sofern das Stockwerk darüber frei
war, bewohnte es der Schulmeister mit seiner Familie; wurde es
anderweitig genutzt (z.B. als Speicher), dann war das Schulzimmer
zugleich LehrerWohnung.
Über die Sindelfinger Schüler wissen wir wenig. Es gab bis 1649 keine
Schulpflicht, und so schwankte ihre Zahl - vielleicht je nach Strenge
und Qualifikation des Schulmeistern? - ständig; sie soll Ende des 15.
Jahrhunderts zwischen .19 und 47 betragen haben. Das Schulalter lag in
der Regel zwischen sechs und vierzehn Jahren, aber es wird auch von
fünfjährigen Knaben berichtet. Einige waren „fahrende Schüler": Sie
kamen von weit außerhalb und mussten für ihren Unterhalt selbst sorgen -
oft genug durch Betteln.
Auch der Schulmeister war alles andere als wohlhabend: Er wurde vom
Stift eingestellt, kontrolliert und konnte kurzfristig entlassen werden.
Als Einkommen erhielt er zu Martini drei Malter Roggen, zehn Malter
Dinkel und drei Malter Haber aus dem Zehnten des Stifts. Dieses
"Grundgehalt" konnte er durch das Schulgeld seiner Schüler aufbessern.
Aber das musste er schon selbst einziehen.
Der Unterricht begann in der Regel um sechs Uhr morgens und endete, von mehreren längeren Pausen unterbrochen, um vier Uhr nachmittags. Damit waren die Verpflichtungen der Schüler noch längst nicht erledigt: Sie besuchten schließlich eine Schule des Stifts, und so wurden sie zusätzlich als Ministranten und Chorsänger eingesetzt.
In den meisten Fällen begann der Arbeitstag eines Schülers um fünf
Uhr mit dem Morgenamt und endete am späten Nachmittag mit dem
Vespergottesdienst. Ferien waren unbekannt, allerdings gab es weitaus
mehr Feiertage als heute. Und auch in ihrer spärlich bemessenen Freizeit
unterstanden die Knaben der Aufsicht und Strafgewalt ihres
Schuhmeisters, der ihnen sogar die Kleidung vorschrieb: Spitze
geschnäbelte Schuhe, kleine Käpplein und spitze Degen waren verboten.
Die Schule im Stiftsbezirk war in erster Linie Lateinschule; aber Latein
war weitaus mehr als bloßes Unterrichtsfach. Es war über viele
Jahrhunderte hinweg die "offizielle Sprache" der Kirche, der Gelehrten,
der Regierenden (und wurde erst im 18 Jahrhundert vom Französischen aus
seiner privilegierten Stellung verdrängt).
Ziel des Unterrichts war also vor allem, Lateinisch lesen, schreiben und möglichst flüssig sprechen zu lernen.
Die Böblinger Lateinschule wird, ebenfalls beiläufig, 1523
erwähnt. Im Unterschied zur Sindelfinger Schule unterstand sie der
Stadt, die ihrerseits dem Hause Württemberg unterstand. Dass auch damals
schon an der Bildung gespart wurde, zeigt die Lage der Böblinger
Schule: Sie befand sich im ersten Stock eines herrschaftlichen
Pferdestalls.
Der erste uns bekannte Böblinger Lehrer ist Joachim Aitinger aus Ulm.
Während des Bauernkriegs 1525 stellte er sich auf die Seite der
Unterdrückten und wurde deshalb nach der verheerenden Niederlage der
Bauern am 12. Mai 1525 vertrieben - wenn ihm nicht Schlimmeres
widerfahren ist.

Die vollständige Geschichte des Goldberg-Gymnasiums und seiner Vorläuferschulen ist als Buch in der Buchhandlung Röhm erhältlich (Preis 5 €)
Goldberg-Gymnasium
Lange und bewegte Geschichte
Am 10. März 1995 hat das Goldberg-Gymnasium sein 600-jähriges Jubiläum gefeiert, diesen Herbst begeht es seinen 75. Geburtstag. Läuft die Zeit auf dem Goldberg rückwärts?
Mitnichten: Am 10. März 1395 ist eine der beiden Vorläuferschulen des Goldberg-Gymnasiums (die Lateinschule am Sindelfinger Stift) erstmals urkundlich erwähnt worden. Am 14. September 1929 wurde das Gebäude auf dem Goldberg bezogen: Die Böblinger und die Sindelfinger höheren Schulen haben sich nach jahrzehntelangen zähen Verhandlungen buchstäblich in der Mitte, nämlich auf dem .damals völlig unbesiedelten Goldberg, getroffen- der Beginn einer bis heute andauernden Erfolgsgeschichte.
Gefeiert wird der 75. Geburtstag der Schule am 21. Oktober mit einem Fest der Schülermitverwaltung, am 22. Oktober mit einem Abend in der Stadthalle und am 23. Oktober mit einem Tag der Begegnung in der Schule.