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Goldberg-Gymnasium - Besprechungen
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Besprechungen

Wulf Wager regt schweißtreibende Tänze an

18.07.2007

Gscheide Schüler genießen Schwäbisch-Stunde

Lektion eins: "Schwäbisch schwätzt mer henda middra broida Gosch - und hochdeutsch vorne mit einer spitzen Schnute", erklärt Wulf Wager und spitzt die Lippen. Die Schüler lachen. Nach dieser Erkenntnis steht der ungewöhnlichen Schulstunde nichts mehr im Wege. An diesem Montagmorgen setzen sich zwei Klassen des Goldberg-Gymnasiums Sindelfingen (GGS) mit dem hier zu Lande heimischen Dialekt auseinander. Das kommt ihnen "graad gschliffa": Auf normalen Unterricht haben sie so kurz vor Ende des Schuljahres ohnehin nicht so recht Lust.

Eigentlich müssten die Klassen 5 c und 6 a an diesem Vormittag die Schulbank drücken. Doch statt Bio steht etwas anderes auf dem Programm. Und das ist nicht weniger sinnvoll. Die rund 60 Schüler beschäftigen sich 90 Minuten lang mit einer besonderen Errungenschaft der deutschen Sprache: dem Schwäbischen. Und das macht ihnen jede Menge Spaß.

"Nimm mi-au mit, nimm mi-au mit", maunzt es durch den Westsaal des GGS. Die Kinder grinsen sich an. Gerade befinden sie sich in der Fantasie auf dem Weg zur Hochzeit des armen Bettelmanns und mimen ein Kätzchen, das unbedingt am Fest teilhaben möchte und mit seinen typischen Lauten dem schwäbischen Idiom sehr nahekommt. Wulf Wager nickt lachend und schnappt sich seine Quetschkommode. Es ist Zeit, das passende Lied anzustimmen. Die Kinder lassen sich nicht lange bitten - von Hemmungen keine Spur: "Widele, wedele, hinterm Städele hält der Bettelmann Hochzeit. Alle Tierle, die Wedele habe . . ." Doch halt, was bedeutet eigentlich "Wedele"? Achselzuckende Ratlosigkeit bei den Kindern. Einer weiß es dann doch: "Das heißt: Alle Tiere, die ein Schwänzchen haben", verrät der Schwäbisch-Profi. Die anderen Kinder lachen. So macht Vokabeln lernen Spaß.

Das Projekt "Mundart in der Schule" macht es möglich: In verschiedenen Workshops besuchen echte Mundart-Profis und Liebhaber Schulklassen und bringen ihnen den heimischen Dialekt näher. "Es soll die regionale Identität fördern, den Schülern die sprachliche Vielfalt vor Augen führen", erklärt Lehrer Wolfgang Wulz. Den Workshop leitet Mundart-Künstler und SWR-Moderator Wulf Wager, der die Kinder an traditionelle schwäbische Volkslieder heranführt. Und die sind alles andere als altbacken, wie man vielleicht vermuten möchte.

"Mädels und Jungs, jetzt tanzen wir", verkündet Wulf Wager kurzerhand und lässt die Kinder alle Stühle an den Rand schieben. Die sind etwas nervös und spähen schon mal nach Tanzpartnern - wenn es geht, dann möglichst desselben Geschlechts. "Es ist blöd, mit Jungs zu tanzen", verraten die Mädchen später in der Pause. "Aber die denken ja auch genau das gleiche von uns", wissen die Mädchen - und scheinen damit Recht zu haben: Besonders begeistert scheinen auch die Jungs nicht von der Paar-Idee zu sein und schnappen sich kurzerhand den besten Kumpel als Tanzpartner. Spaß macht es trotzdem: Zu den fröhlichen Tönen der Ziehharmonika wirbeln die Kinder nach einer einfachen Choreografie durch den Raum: ein paar Schritte vor, ein paar Schritte zurück, einhaken und im Kreis drehen - und dabei wenn möglich das Singen auf Schwäbisch nicht vergessen. Gar nicht so oifach. Doch die Kinder nehmen es mit Humor.

Nach 90 Minuten wischen sich die Kinder den Schweiß von der Stirn, sind aber durchaus angetan von der etwas anderen Schulstunde. Dass es so laut und lustig zugeht, hätten sie nicht erwartet. "Das Tanzen war toll", erklärt Max später. "Ich kann zwar schwäbisch. Ich rede immer mit meiner Oma schwäbisch, aber ich mag Hochdeutsch lieber", erklärt er. Warum? "Das ist einfacher", grinst er und macht sich dann rasch auf den Weg zum Klassenzimmer. Mathe fängt gleich an. Wäre ihm noch eine Stunde Schwäbisch lieber gewesen? "Klar", stellt er fest, hebt dann die Hand zum Gruße und ruft grinsend: "Ade!"
Weitere Informationen im Internet
http://www.bb-live.de
http://www.mundart-in-der-schule.de
Ulrike Stierle, Böblinger Kreiszeitung, 18.7.2007